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Aus Das letzte Kapitel
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Willkommen im letzten Kapitel...
... dem Ort, an dem die Mythen und Legenden der Wildnis sich bewahrheiten!
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Wettbewerbssieger


Von Monstern & Männern
Autor:Siobhan
Datum:Juni 2021

Er konnte sich noch immer an jede Einzelheit erinnern. Jede Demütigung, jeden Stich, jeden Schlag von Gewalt, der ihm von strenger Hand zuteil wurde. Er kam ohne jede Freiheit zur Welt, nicht mehr wert, als der Dreck unter den Fingernägeln derer, die Abend für Abend an den Feuern der Halle seines Herren beisammen saßen, und sich mit ihren Taten rühmten. Sie wurden es nicht müde, sich an den Details ihrer Gräuel zu ergötzen und sie gemeinsam zu begießen. Sich an den Reichtümern und den Frauen, die sie geraubt hatten, zu laben. Frauen wie seine Mutter. Kennengelernt hatte er sie nie. Kaum dass sie die unheilige Saat, die in ihr wuchs, ausgetragen hatte, ereilte sie ein Schicksal, über das er bis heute keine Kenntnis erhalten hatte.

Es kümmerte ihn nicht. Hat es nie. Die Zeit, die Fäden zu beweinen, die die Nornen für ihn verwoben haben, war ihm nie gegeben. Zu sehr war er stets davon eingenommen, den Tritten und Schlägen auszuweichen, die seine Nachlässigkeit strafen wollten. Niemals klein bei geben. Nicht damals, nicht jetzt.

Selbst als junger Knabe hatte er sich geweigert, daran zu glauben, dass es Hoffnung für ihn gab, denn er hatte das Licht der Welt als Sklave erblickt. Spross eines Kriegsherren der Vanir, ja, doch niemals einer von ihnen. Er aß bei den Schweinen, und doch behandelte man selbst das Vieh pfleglicher als ihn.

Der einzige Grund dafür, dass er ihnen nicht schon als Säugling gleich mit zum Fraß vorgeworfen wurde, war die Farbe seiner Augen. Bernstein. Nein - gelb. Gelb wie das Glimmen eines Frostwolfes in den stillen, schwarzen Nächten des nördlichen Vanaheims. Ein unheilvoller, bedrohlicher Glanz. Nicht das Grün und nicht das Blau der Nordheimer, noch das der Cimmerier. Es war das Erbe seines Vaters. Einem vom mitunter obersten Übels des Nordens, dicht hinter der Ehrfurcht angesiedelt, die sie hierzulande vor den Söhnen und Töchtern Ymirs selbst verspürten - und er, Skragath, hasste ihn. Hasste jeden Atemzug, den er tat mit jeder Faser seines abgemagerten, viel zu hochgewachsenen, schlacksigen Leibes.

Doch mehr noch hasste er den Tag, an dem Thjalmir, dem Eisgemeißelten, endlich sein dringlichstes Ansinnen erfüllt wurde. Ein gellender Schrei aus vollen Lungen, die zuvor noch keinen Atemzug getan hatten, erhellte an diesem Tag die finstere Halle, dem Schauplatz seines Leids, und kündigte die Ankunft des ganzen Stolzes des Kriegsherren an. Sein Augapfel. Sein legitimer Erbe.

Fleisch von seinem Fleisch, Blut von seinem Blut. Vanir.

Sein aufgewühlter, junger Geist kam nicht umhin, sich grausame Wege auszumalen, und sie zu halbgaren Plänen zu schmieden, Thjalmir dieses Triumphes zu berauben, und sich des Säuglinges zu entledigen. Doch er blieb feige, obgleich er nichts mehr zu verlieren hatte. Tragischer noch: Er hatte nie etwas zu verlieren. Die Feigheit, die ihn lähmte, plagte seinen geschundenen Geist, und zerriss ihn schier. Lange währte die Qual, die Hilflosigkeit.

Lange, aber nicht ewig.

Es war diese kleine, zarte Hand des Mädchens, naiv und unverdorben, der einfache Geist eines noch ungeformten Menschen, eines Kindes, die sein dreckiges, fiebriges Gesicht eines harten Winters befühlte, und ihm sein angelutschtes Stück Brot gegen den Mund schmierte, in unbeholfenem Angebot, wie sie es mit jedem tat. Selbst mit den Welpen der Halle. Ganz besonders mit den Welpen, die zum Dank die kleinen Finger beleckten, dass das Jauchzen der schrillen Vanirbrut kaum zu überhören war. Er nahm es an, hungrig und geschwächt, und das Kind kam wieder. Mit immer neuer Beute, die es an der Tafel der gestandenen Krieger machen konnte, und wie der Winter zu tauen begonnen hatte, so tat auch er es.

Inzwischen vom Fieber befreit und erstarkt, spielte er mit ihr, schnitzte ihr Figuren, die sie mit den Jahren, in denen sie begonnen hatte, seinen Stand zu begreifen, sorgsam unter dem Heu ihrer Schlaffelle verbarg. Wann immer die Männer und Frauen auszogen, um frisches Blut für ihren kriegerischen Gott zu vergießen, und die Alten, Schwangeren und Sklaven zurückblieben, um über Heim und Herd zu wachen, schlichen sie gemeinsam umher und waren für den Moment nur das: Kinder.

Ein schmales, verletzliches Band, das sich um die schweren, unterjochenden Ketten seiner Existenz wand, und ihm die Last, sie zu tragen, mit einem kostbaren Tropfen heilsamer Erträglichkeit linderte. Er verließ nie mehr ihre Seite, und sie nie mehr die seine. Nicht, als die rachsüchtigen Cimmerier über das nomadische Lager der Nordleute herfielen, und den Glanz und die Glorie Thjalmirs dem Erdboden gleich machten, und auch nicht, als seine Herkunft allein ihnen jeden rettenden Weg im Norden zu anderen Siedlungen versperrte, gar ihr Leben bedrohte, und nicht, als er begann, dem Zorn, der über die Jahre in ihm wuchs, freien Lauf zu lassen, und Männern, Frauen, selbst Kindern, die selbe Brutalität angedeihen ließ, mit der er Zeit seines Lebens versehen wurde. Schlimmer noch.

Selbst dann nicht, als man ihnen beiden Ketten anlegte, sie über die Planken zwang, und ihnen todbringenden Schmuck an die Handgelenke band, der den Rest ihrer beider Existenzen besiegeln sollte. Als die Söhne Ymirs über seine hart erkämpfte Festung im Eis herfielen, da stand sie an seiner Rechten, so wie er an ihrer, als Neu-Asagarth kam, um ihren Traum von Heimat in Schutt und Asche zu legen.

Selbst als das Blut des Menschenopfers stygischer Sklaven ihre Herrschaft über den Thron Rúnheims besiegelte, war er da - frei von dem Neid und dem Hass, den er für den Erben Thjalmirs einst verspürt hatte, mit Stolz geschwellter Brust. So dass letzthin selbst er, das unnahbare, stille Ungetüm, den kahlgeschorenen Kopf in den Nacken warf, um der Nacht den Ruf des weißen Wolfes entgegen zu heulen, als einer von ihnen.

Doch als der Himmel entzwei gerissen wurde, und das hungrige Maul eines unweltlichen Monstrums preis gab, da fand er sie nicht. Die Menge blonder und roter Köpfe erwuchs zum unüberwindbaren Meer chaotischer, instinktgetriebener Furcht. So etwas hatte noch keiner von ihnen erlebt, nicht annähernd. Wilde Rufe, jämmerliches Kreischen, heilloses Durcheinander, durch dass er sich seinen Weg gewaltsam bahnen musste. Ungeachtet berstender Knochen, die seinem Hammer und seiner Gestalt weichen mussten.

"Skragath!" - da! Ihre schlachtengeschmiedete Stimme rauschte über die Verängstigten hinweg. Wieder und wieder erklang der Nachhall ihrer greifbaren Verstörung und blanker Panik, die er noch nie auf diese Weise aus ihrem Munde vernommen hatte, in seinem Schädel. Selbst nun. Immer dann, wenn er die Augen schloss. Ein Hilferuf, schiere Verzweiflung - und er war nicht bei ihr.

Er. war. nicht. da.

Er kämpfte sich mit aller Kraft weiter vor, und doch war es umsonst. Zu spät. Er konnte nichts weiter mehr tun, als mitanzusehen, wie sie von den Füßen gerissen wurde, von unsichtbarer Macht gepackt und vom zahnlosen Schlund am Firmament verschluckt. Das Letzte, was er sah, als er zu Stein erstarrte, und bevor auch er wehrlos von der Unwirklichkeit erfasst wurde, waren ihre weit aufgerissenen Bernsteinaugen. Die Augen eines Frostwolfes, glimmend in dunkelster Schwärze einer Winternacht im nördlichsten Norden.

Fleisch von seinem Fleisch, Blut von seinem Blut. Voller Angst.

Nun, da er einsam und zum ersten Mal mutterseelenallein im Schnee der unbekannten Wildnis zusammensank, nach Wochen der fruchtlosen Suche, und er einmal mehr nichts weiter vor Augen sah, als diesen letzten Blick und ihm ihr von Grauen erfüllter Schrei den Verstand vernebelte - nun... schnürte es ihm zum ersten Mal die Kehle zu.

Der der einst Ungebrochene ein Häuflein Elend, das bleiche Gesicht in den gerüsteten Pranken verborgen, mit aller ihm verbliebener Gewalt gegen das Brennen in seinem Hals fechtend, bis es einfach nicht mehr ausreichte. Bis er inmitten des pechfarbenen, mächtigen Bartgestrüpps den Mund öffnen musste, und ein losgelöster Urschrei sich endlich Bahn brechen konnte, um die vereisten Berge mit all der Hoffnungslosigkeit, all dem Schmerz, all der Verbitterung, und alle dem, das so lang in ihm verborgen lag, zu erschüttern.