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Aus Das letzte Kapitel
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Wettbewerbssieger


Kaufwannswut, Sangesglut
Autor:Amenefer
Datum:August 2021

Vom Festsaal schwappte eine Kakofonie an unterschiedlichsten Geräuschen hinter die Bühne herein, die von den purpurfarbenen, dicken Vorhängen nicht aufgehalten wurden: Klirrende Pokale, das Lachen der gut betuchten Gäste, auf die nackten Hintern der bedienenden Sklaven klatschende Hände, Gemurmel und heftiger Geführte Gespräche, wenn Kaufleute von Verhandlungen oder Prahlereien erfolgreicher Geschäfte mitgerissen wurden. Egal, in welchem hohen Haus von Messantia Feste gefeiert wurden, egal wie verschwenderisch oder sparsam die Dekoration gewählt wurde, egal wer aus der Elite der Handeltreibenden und Goldklaubenden eingeladen war, die Geräusche ähnelten sich stets für diejenigen hinter den Vorhängen. Charis strich eine vorwitzige Haarsträhne hinter ihr Ohr zurück und ließ die Fingerkuppen über die Saiten ihrer Laute streichen.

Die leise gezirpten Töne, als sie die Saiten mit den Nägeln zupfte, gingen im allgemeinen Lärm unter, eine letzte Vergewisserung, dass ihr Instrument perfekt gestimmt war. Bei diesem Auftrag durfte nichts schief gehen, das hatte Charis' Vater klar gemacht. Die für eine argossische Frau ungewöhnliche Beschäftigung seiner Tochter duldete Handelsherr Demetrios nur, weil sie damit Erfolg hatte. Als unbestrittener Herr des Hauses Thermodoris hätte Demetrios Charis am liebsten genau wie ihre Schwestern meistbietend verkauft. Nichts anderes stellte eine Heirat in den höheren gesellschaftlichen Schichten von Argos dar, denn beide Seiten versprachen sich davon bessere Geschäfte. Wie viele Jahre sie sich um dieses Schicksal noch drücken konnte, wusste die Bardin nicht, aber es konnte nicht schaden, es zu versuchen. Nicht zuletzt, weil die in Frage kommenden Männer überhaupt nicht ihrem Geschmack entsprachen. Auftritte hingegen, die Freude am Komponieren und Singen neuer Lieder, der Nervenkitzel bei unbekanntem Publikum - all das machte ihr Leben erst richtig lebenswert. Die Laute war neben dem Rapier ihr wertvollster Besitz und würde Charis auch bei diesem Auftritt gute Dienste leisten.

Neben der normalen Nervosität eines Auftrags rumorte heute auch eine unbestimmte Sorge in ihrem Bauch und ließ ihre Nerven flattern. Der Blick ihres Vaters war stechend gewesen, als er sie beschworen hatte, heute beim Bankett des Themistokles aus dem Haus Okeanos ihr Bestes zu geben. Ein umfangreiches Geschäft stand an und damit auch wahre Berge verlockend glitzernder Goldmünzen, um die nach wie vor eifrig geschachert wurde. Würde Charis nun beim Gastgeber des heutigen Abends durch ein besonders gelungenes Lied zu dessen Ehren glänzen, war die Chance groß, dass dies die Verhandlungen zu Gunsten Demetrios' beeinflusste. Und ihr Vater ließ sich keine Gelegenheit entgehen, Geld zu sparen und gleichzeitig seinen Ruf aufzubessern. Also stand sie nun bei Themistokles' wichtigstem Fest des Jahres hinter einem Vorhang und wartete auf ihren Auftritt.

Selten war es Charis so schwer gefallen, ihrem Vater zu gehorchen. Denn abgesehen davon, dass Themistokles ein reicher, wichtiger Mann in Messentia war, der sogar das Vertrauen des Königs von Argos genoss, was diffizile Geschäfte mit Stygia anging, handelte es sich beim Herrn des Hauses Okeanos um einen widerlichen, ekelhaften Frauenschänder, der schon seit Jahren sein Unwesen trieb. Vor nicht einmal einem halben Jahr hatte er seine Hände an Charis' gerade einmal vierzehnjährige Cousine Alexia gelegt. Seitdem wagte sich diese, einst ein lebenslustiges, offenes Mädchen, nicht mehr auf die Straße und zuckte schon zusammen, wenn sie nur die dunkle Stimme eines fremden Mannes in der Nähe hörte. Alexias Vater hatte ihr die erlebten Schrecken nicht geglaubt. Da Themistokles geschickt genug gewesen war, Alexias Körper nicht sichtbar zu zeichnen, galt sie seitdem als bösartige Lügnerin, die einen angesehenen Mann in Unglück zu stürzen versucht hatte. Aber Charis wusste es besser, denn es gab noch mehr Mädchen und junge Frauen wie Alexia, und die meisten hatte sie im Lauf der Jahre kennen gelernt. Mitra schien ihm nach wie vor gewogen, denn inzwischen wurde der verwitwete Themistokles sogar für eine Ehe mit dem Königshaus in Betracht gezogen.

Der fette Haushofmeister des Hauses Okeanos hieb laut mit seinem Stab auf den zartrosa Marmorboden, heischte nach der Aufmerksamkeit der von aufmerksamen Sklavinnen und erlesenen Speisen verwöhnten Gäste. Charis hätte am liebsten verächtlich gelacht. Sich einen solchen Ankündiger zu leisten war pure Arroganz, aber in Themistokles' opulentem Palast im exklusivsten Bezirk Messantias waren die Anzeichen der Arroganz an jedem vergoldeten Türgriff, jedem goldbestickten Vorhang und übertrieben verschwenderisch genutzten, hauchzarten Seidenstoffen spürbar. Es gab einen Unterschied zwischen stilvoll offenbartem Reichtum und neureicher Protzerei, leider pflegte Themistokles letztere und schien alle Widersprüche und Widerstände andere durch noch mehr Gold zu ersticken.

"... die unvergleichliche Charis aus dem Hause Thermodoris!" erklang die laute Fistelstimme von vor dem Vorhang, der von zwei dunkelhäutigen und mit Goldketten behangenen Sklaven eilig zu beiden Seiten zurückgezogen wurde. Charis trat einige Schritte nach vorn auf die Bühne hinaus und verneigte sich elegant in Richtung der Gäste, die ihre Gespräche zwar nicht einstellten, aber doch etwas leiser führten als zuvor. Wieder einmal wurde die rothaarige Argossin mal missgünstig, mal neugierig und mal auch lüstern angestarrt, eine Mischung an Interesse, die sie schon von früheren Auftritten kannte. Vermutlich fragten sich einige, wann ihr Vater sie endlich zur Vernunft bringen würde, sie auf dem Heiratsmarkt für ein gutes Geschäft feilbot. Gerade die älteren Männer unter den versammelten Kaufmannsgrößen gaben sich wenig Mühe, ihre gierigen Blicke zu verbergen, denn für Männer wie diese war Charis nur Fleisch, dass es zu genießen galt, eine irgendwann zu erwerbende Trophäe zum eigenen Vorteil.

Sie ließ den Blick über die Anwesenden schweifen, zu fast jedem Gesicht kannte sie Namen, Geschäftsinteressen und die neuesten Gerüchte. Man wuchs nicht in der wichtigsten Stadt von Argos auf, ohne diese Dinge schon als Kind zu lernen, und die geschäftlichen Erfolge der verschiedenen Handelshäuser waren ohnehin das Gespräch auf jeder Straße. Lotus-Lieferant, Goldmine, Handelskarawanen, Sklavenverkauf, Schmuckhandel zählte Charis innerlich auf, während sie nach dem Gastgeber Ausschau hielt und sich mit einer geschmeidigen Bewegung auf den Rand eines hohen Hockers - natürlich auch mit Goldintarsien verziert - niederließ.

Themistokles hatte seinen Platz in der Mitte des Raumes auf einem nicht minder verschwenderisch geschmückten Diwans gefunden, ein dunkel gebräunter Mann Mitte Vierzig mit durchaus athletischer Figur, sauber gestutztem schwarzem Bart und dunklen Augen. Seine großen Hände spielten nachlässig mit den Brüsten einer neben ihm liegenden jungen Frau, die in Alexias Alter sein musste oder vielleicht etwas älter war. Deren neutrale Miene, in der sich immer dann eilig ein Lächeln zeigte, wenn Themistokles' Blick auf sie fiel, ließ Charis schon vermuten, dass sie den besonderen Platz an der Seite des Gastgebers nicht genoss. Mit einer locker perlenden Tonfolge, die das nervöse Zittern ihrer Hände bei jedem Auftritt zu besänftigen wusste, leitete Charis ihr Lied ein und hob schließlich zu ihrem Lobgesang an, auch selbst ein Lächeln ins Gesicht gezwungen.


Der Wellenfürst, mit starker Hand
führt Schiff und Haus durch Sachverstand,
ein Handelsherr, ohn' Furcht und Tadel,
bekannt durch eig'nen Wert, nicht Adel.

Themistokles ists, der Okeanos' Herr,
von Mitra geliebt, vom Volk noch mehr.


Das feiste, geschmeichelte Lächeln auf den schmalen Lippen des Themistokles verriet Charis, dass sie die richtigen Worte gefunden hatte. Es war eine Leistung, sich innerhalb der argossischen Gesellschaft ohne die Verbindungen eines seit vielen Jahrzehnten gut vernetzten Adelshauses zu enormem Reichtum hochzuarbeiten. Deswegen öffentlich gepriesen zu werden, machte einen solchen Sieg umso süßer - und je mehr Kaufleute neidisch zu Themistokles blickten, desto zufriedener wirkte er. Grob grub er seine Finger in die Brüste der jungen Frau neben sich, die sich reichlich Mühe gab, noch immer irgendwie zu wirken, als sei sie davon erfreut. Aber selbst im vor allem durch Fackeln und Feuerschalen beleuchteten Raum war ihre linke Hand zu erkennen, die sich um ein Kissen krampfte.


Standhaft, listig und Ideenbeseelt
geschickt das richt'ge Geschäft gewählt,
lächelt Glück ihm wie der Weiber Mund,
wie auch die Stoßkraft unter'm Tunikenbund.

Themistokles ists, der Okeanos' Herr,
vom Gold geliebt, von Frau'n noch mehr.


Ein Lachen stieg in der versammelten Menge auf, während der ein oder andere Themistokles auf die Schulter klopfte oder dessen vermeintlich gepriesene Manneskraft mit gröhlenden Worten pries. Innerlich schüttelte sich die Bardin für die verbale Grütze, die sie hier von sich gab, aber sie wusste sehr genau, was ihrem Publikum gefiel. Für einen echten Mann reichte es nicht, reich zu sein und ein gewitzter Geschäftsmann, nein, er musste auch unzweifelhaft ein Stecher sein, der die Weiber reihenweise in sein Bett zerrte. Ganz als hätten Charis' mit warmem Alt gesungenen Worte ihn animiert, zerrte der Gastgeber nun seine Gespielin unsanft auf sich und riss ihr dünnes Gewand entzwei, sodass ihr milchweißer Leib nun ungeschützt den geilen Blicken anderer preisgegeben war.

Als diese sich instinktiv zu bedecken versuchte, hieb ihr Themistokles ungebremst ins Gesicht und lachte nur beim erstickten Schrei der jungen Frau. Ihr zutiefst erschreckter Gesichtsausdruck erinnerte Charis an das Gesicht ihrer Cousine Alexis, in deren schönen Augen nun dieselbe Furcht lebte und nicht mehr erlöschen wollte. Die Bardin atmete tief ein und hob an, die nächste Strophe zu singen, doch sie stellte fest, dass ihr die nächsten süßen Lobesworte über einen Mann, der sich so grausam verhielt, einfach nicht über die Lippen kommen wollten. Schnell improvisierte sie ein Zwischenspiel, bei dem sie den Refrain geschickt variierte und überlegte fieberhaft.

Konnte sie es wagen, ihm die Stirn zu bieten? Würde der Ruf ihres Vaters sie schützen? Das Geschäft wäre geplatzt, aber bislang hatte ihr Vater sie immer gewähren lassen ... Ein weiteres Mal verpasste Themistokles der inzwischen mit der auf den Mund gepressten Hand weinenden Nackten eine Ohrfeige und lachte über deren gerötete Wangen mit einem seiner Geschäftsfreunde. Plötzlich war die Entscheidung ganz leicht, die Worte fanden sich ganz von alleine und drängten in die Welt hinaus.


Sich Unschuldg'en aufdrängt, mit harter Hand
halb Kindern noch, gesteckt in Gold und Tand
den Speer von hinten stößt ins Fleisch,
ein schwacher Mann nach Liebe heischt.

Themistokles ist's, der Okeanos Herr,
im Bett verhasst, bei Frau'n noch mehr.


Das in Windeseile von Freude zu Entsetzen und danach zu Wut wechselnde Gesicht des Handelsfürsten erfüllte Charis mit einer tief empfundenen Freude, während überraschte, amüsierte und neugierige Mienen bei den Gästen vorherrschten. Die meisten witterten einen Skandal, und angesichts der hitzigen Lust an Gerüchten würde ihr Lied sicher schnell die Runde in Messantias Straßen machen. Zeit, der Sache noch einen draufzusetzen, so lange es noch möglich war. Gegen sein Handelsgeschick konnte sie nicht viel ausrichten, aber sehr wohl seinen Ruf hart ankratzen! Im Hintergrund wedelte der Gastgeber wild mit beiden Händen, aber der Schaden war längst angerichtet.


In Lieb' wird ihm kein Gesicht zugewandt,
wahrhaft gute Partien sind längst weggerannt.
Wer solchen Schläger zur Familie macht,
dessen Fried' und Heim zu Trümmern kracht.

Themistokles ist's, der Okeanos Herr,
von and'ren verlacht, als Lügner noch m-!


Charis kam nicht dazu, die letzte Zeile des abgewandelten Refrains zu beenden, da starke Arme sie von der Bühne fortrissen, vom wütenden Gebrüll des Hausherrn und teils Gelächter, teils Buhrufen der Gäste begleitet. Eilig wurde der Vorhang wieder herunter gelassen, um den Feiernden den Anblick der Sängerin zu ersparen, ein anderer Sklave entriss ihr die geliebte Laute. Noch immer ein Lächeln auf den Lippen, ließ sie es geschehen - was immer noch kommen mochte, ihr Lied wäre bald Stadtgespräch. Vielleicht würde es sogar Alexis ihr Lächeln zurück bringen.


Drei Monate später


Die Augen gegen die gleißende Sonne zusammen gekniffen, starrte Charis in den makellos blauen Himmel und die darunter liegende Wüste. Inzwischen war sie nicht nur um eines dieser seltsamen Armbänder reicher, sondern auch um eine Verurteilung wegen ihres Schand- und Spottliedes, das tatsächlich in allen Gassen Messantias gesungen worden war. Findige Konkurrenten und freche Gassenkinder hatten es um weitere Strophen ergänzt, die dem miesen Charakter Themistokles' Rechnung getragen hatten. Die Verbindung mit dem Königshaus war schnell Geschichte gewesen, aber auch Charis' Leben als Tochter eines nicht ganz unwichtigen Hauses.

Ihr Vater hatte sie schneller fallen gelassen, als sie Kaufmann hätte sagen können, nur für ein ordentliches Verfahren war gesorgt worden. Und nun das Exil - in einem Land, das sie nicht kannte und dessen Welt ihr so fremd war wie einem Nordheimer der Dschungel. Dennoch - zum ersten Mal in ihrem Leben war sie frei, und ihr Weg in der Zukunft beinhaltete nur unbekannte Herausforderungen. Daraus würde sie einfach das Beste machen. Und vielleicht ein paar neue Lieder schreiben.